Lehrprojekt · Multimedia Production
Wie aus einer wissenschaftlichen Fragestellung eine Plattform für Frauen in der elektronischen Musik entstand.
Geschichte entdeckenAus einer Forschungsfrage wurde ein Event: SHEWAVES fördert, vernetzt und feiert Frauen in der elektronischen Musikszene.
SHEWAVES entstand im Rahmen der Bachelorarbeit im Studiengang Multimedia Production. Ausgangspunkt war die Frage, weshalb Frauen in der elektronischen Musikszene noch immer deutlich weniger sichtbar sind als ihre männlichen Kollegen. Die Antwort blieb nicht theoretisch: Aus der Forschung entstand ein reales Event. Der Onepager zeigt den Vorgang, von der Konzeption über Branding und Kommunikation bis zum Eventtag mit sechs Artists.
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Alle Tracks von weiblichen Artists
Ausgangspunkt des Projekts war die Forschungsfrage, welche strukturellen und kommunikativen Faktoren die Sichtbarkeit und beruflichen Chancen von Frauen in der elektronischen Musikszene der Schweiz prägen und welche Veränderungen notwendig sind, um diese nachhaltig zu stärken. Zur Beantwortung dieser Frage wurden qualitative Interviews mit verschiedenen Akteur:innen der Szene durchgeführt: Einer DJ, einem Booker, einer Vertreterin einer Förderinstitution und einer Musikjournalistin. Unerstützend wurde eine quantitative Inhaltsanalyse der Line-ups von sechs Schweizer Festivals durchgeführt. Ziel war es, bestehende Strukturen sichtbar zu machen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für mehr Sichtbarkeit abzuleiten.
Die Analyse bestätigte, dass Frauen in der elektronischen Musikszene weiterhin unterrepräsentiert sind. Vier zentrale Erkenntnisse zu den Ursachen bildeten die Grundlage für die Entwicklung von SHEWAVES:
Der Zugang wird über historisch gewachsene, männlich geprägte Netzwerke und Entscheidungsstrukturen reguliert.
Fehlende Netzwerke erschweren den Zugang. Der Wunsch nach Austausch und Community ist gross.
Künstlerinnen erhalten wenig mediale Sichtbarkeit und konkrete Auftrittsmöglichkeiten.
Es fehlt an weiblichen Vorbildern, die den Einstieg in die Szene greifbar machen.
Besonders deutlich zeigte sich: Gerade die lokalen Slots, also jene Ebene, die für den Karriereeinstieg am wichtigsten wäre, wiesen mit rund 10 % die tiefsten Frauenanteile auf, weil sie am stärksten über informelle, persönliche Netzwerke vergeben werden.
Genau hier setzt SHEWAVES an: Aus den Erkenntnissen entstand die bewusste Entscheidung, den Fokus auf lokale Künstlerinnen zu legen, sie aktiv zu suchen, ihnen eine professionelle Bühne zu geben und ihre Vernetzung untereinander zu fördern. So werden wissenschaftliche Befunde in konkrete Massnahmen für die Praxis überführt.
Schritt für Schritt entstand daraus ein reales Event – von der ersten Idee bis zur Eventnacht.
Die Idee für SHEWAVES entstand bereits mit dem Proposal für die Bachelorarbeit. Durch bestehendes Wissen und Erfahrungen im Eventbereich bot das Projekt die ideale Möglichkeit, theoretische Erkenntnisse praktisch anzuwenden und ein eigenes Eventkonzept umzusetzen.
Die Sicherung der Location und des Veranstaltungsdatums bildete die Grundlage für die weitere Planung. Durch bestehende Vernetzung in der Schweizer Musikszene konnten verschiedene Kontakte genutzt und schlussendlich der Viertel Klub als passende Location für den 25. Juli 2026 gewonnen werden. Tagsüber fand das Event auf der Dachterrasse statt, bevor es abends in den Clubbereich überging.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Suche nach weiblichen Artists aus der ganzen Schweiz. Dabei lag der Fokus nicht auf Bekanntheit oder Reichweite, sondern darauf, vielfältigen Künstlerinnen eine Plattform zu bieten, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und Artists aus unterschiedlichen Regionen zusammenzubringen.
Bei der Gestaltung des visuellen Auftritts wurde besonders darauf geachtet, allen Artists die gleiche Bedeutung und Sichtbarkeit zu geben. Neben einem Gesamtflyer erhielt jede Artistin eine eigene Vorstellung für Social Media. Durch Collab-Posts mit den Artists und der Location konnte die Reichweite erhöht und eine gemeinsame Kommunikation aufgebaut werden. Die entstandenen Designs sind weiter unten zu sehen.
Durch kontinuierliche Kommunikation auf Social Media, gemeinsame Beiträge mit Artists und der Location sowie persönliche Netzwerke wurde Aufmerksamkeit für SHEWAVES geschaffen. Ziel war es, eine Community aufzubauen, Menschen für das Projekt zu begeistern und die Bedeutung von mehr Sichtbarkeit für weibliche Artists hervorzuheben.
In der finalen Vorbereitungsphase wurden sämtliche organisatorischen Aspekte umgesetzt: Dekoration gestaltet, der Ablauf geplant, Timetable und Artist-Koordination erstellt sowie technische, finanzielle und logistische Details mit der Location und den Artists abgestimmt. Ein herzlicher Dank gilt dabei den Freund:innen, die sich zur Verfügung gestellt haben, um bei der Dekoration zu basteln und beim Aufbau mitzuhelfen.
SHEWAVES fand erfolgreich statt und konnte rund 450 Gäste willkommen heissen. Mit sechs weiblichen Artists, elf Stunden Musik und einer einzigartigen Atmosphäre wurde das Ziel erreicht, eine Plattform für Frauen in der Schweizer Musikszene zu schaffen.
Nach dem Event folgte die Auswertung der Erfahrungen, Rückmeldungen und Ergebnisse. Dabei wurden die Organisation, Kommunikation und Umsetzung reflektiert sowie Erkenntnisse gesammelt, die für zukünftige Projekte und die Weiterentwicklung von SHEWAVES genutzt werden können.
Für jede Artistin entstand ein eigenes Flyer-Design im gemeinsamen SHEWAVES-Look – als Sammelfiguren-Serie gedacht, die allen die gleiche Bühne gibt. Zum Durchblättern.
Artists
Gäste
Stunden Musik
Der SHEWAVES Event erwies sich als grosser Erfolg und bestätigte die Relevanz des entwickelten Konzepts. Insgesamt besuchten rund 450 Gäste die Veranstaltung und sorgten für eine lebendige Atmosphäre auf dem Dancefloor. Besonders positiv war die direkte Resonanz des Publikums: Während und auch nach dem Event kamen zahlreiche Rückmeldungen von Gästen, welche die Veranstaltung lobten und die Wichtigkeit einer Plattform für weibliche Artists hervorhoben.
Dabei zeigte sich, dass nicht ausschliesslich bereits bekannte Namen ausschlaggebend für den Erfolg eines Events sind. Viele Besucher:innen kamen offen auf die Veranstaltung zu, unabhängig davon, ob ihnen die auftretenden Artists bereits bekannt waren. Vielmehr entstand ein Interesse daran, neue Künstlerinnen zu entdecken und ihnen eine Bühne zu geben. Dies bestätigte den Grundgedanken von SHEWAVES, Sichtbarkeit nicht nur für etablierte Artists, sondern insbesondere auch für aufstrebende Talente zu schaffen.
Auch auf Seite der Artists konnte sich das Konzept bewähren. Durch die gemeinsame Veranstaltung entstand eine Möglichkeit zur Vernetzung zwischen Künstlerinnen aus verschiedenen Regionen der Schweiz. Die Artists konnten sich kennenlernen, Erfahrungen austauschen und neue Kontakte innerhalb der Szene knüpfen. Für zukünftige Ausgaben könnte dieser Aspekt noch weiter ausgebaut werden, beispielsweise durch ein gemeinsames Artists-Dinner oder ein separates Networking-Format vor dem Event. Trotzdem bot die Veranstaltung bereits eine wertvolle Gelegenheit für Austausch und Verbindung.
Aus wirtschaftlicher Sicht konnte SHEWAVES ebenfalls erfolgreich umgesetzt werden. Durch den Ticketverkauf sowie den Barbetrieb konnte eine für beide Seiten gewinnbringende Zusammenarbeit mit dem Viertel Klub geschaffen werden. Der Club konnte mit der Veranstaltung einen wirtschaftlichen Erfolg erzielen, während gleichzeitig die Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Events gesichert werden konnten.
Auch aus persönlicher Sicht war die Umsetzung des Projekts eine sehr wertvolle Erfahrung. Die Organisation und Durchführung haben gezeigt, dass das Konzept funktioniert und das Bedürfnis nach einer solchen Plattform innerhalb der Szene vorhanden ist. Die Verbindung aus Eventorganisation, Community-Aufbau und Förderung weiblicher Artists hat nicht nur ein erfolgreiches Event entstehen lassen, sondern auch wichtige Erkenntnisse für zukünftige Projekte geliefert.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil war die Zusammenarbeit mit Amebe, welche die gesamten DJ-Sets mit einem professionellen Multicam-Setup aufgezeichnet hat. Die Aufnahmen werden sowohl auf SoundCloud als Audioformat als auch auf YouTube als Video veröffentlicht. Dadurch erhalten die Artists zusätzliche Sichtbarkeit und wertvolles Material, welches sie für ihre eigene Kommunikation und zukünftige Auftritte nutzen können. Diese Erweiterung über den eigentlichen Event hinaus verstärkt den nachhaltigen Charakter von SHEWAVES. Die weiteren Sets befinden sich aktuell in der Nachbearbeitung und werden nach und nach veröffentlicht.
DJ Set von Sanem am SHEWAVES · 25.07.26
SHEWAVES war mehr als ein einmaliges Event. Das Projekt hat gezeigt, wie wertvoll es ist, Frauen in der elektronischen Musikszene miteinander zu vernetzen und ihnen eine Bühne zu bieten. Die positiven Rückmeldungen von Künstlerinnen, Besucher:innen und weiteren Beteiligten haben bestätigt, dass ein solches Format auf grosses Interesse stösst und einen echten Mehrwert schafft.
Aus diesem Grund soll SHEWAVES langfristig weiterentwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen weiterhin die Förderung lokaler Künstlerinnen, die Schaffung neuer Auftrittsmöglichkeiten sowie der Aufbau eines wachsenden Netzwerks innerhalb der Szene. Ergänzend dazu werden die aufgezeichneten DJ-Sets und weitere Inhalte über soziale Medien und Streaming-Plattformen veröffentlicht, um die Sichtbarkeit der Künstlerinnen auch über das Event hinaus nachhaltig zu stärken. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, die nicht nur einzelne Veranstaltungen organisiert, sondern die lokale Community langfristig verbindet, fördert und wachsen lässt.